Josef-Wochenmark-Weg

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Der Josef-Wochenmark-Weg zweigt im auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs entstehenden Wohn- und Gewerbegebiet Alter Güterbahnhof im Westen von der Hanna-Bernheim-Straße zur Eisenbahnstraße ab. Er ist nach dem Rabbiner Josef Wochenmark benannt.

Josef Wochenmark[Bearbeiten]

Stolpersteine in der Stuttgarter Olgastraße 75:
"Hier wohnte
Josef Wochenmark
Rabbiner
JG. 1880
Gedemütigt/Entrechtet
Flucht in den Tod
8.3.1943"

Josef Wochenmark (* 18. Juni 1880 in Rozwadow/Galizien, † 8. März 1943 in Stuttgart) absolvierte am Esslinger Lehrerseminar eine Ausbildung als Volksschullehrer und ließ sich außerdem zum jüdischen Religionslehrer ausbilden. Er heiratete Bella Freudenthal, als er 36 Jahre alt war, und hatte mit ihr die Söhne Alfred und Arnold. 1925 zog er mit seiner Familie von Crailsheim nach Tübingen, wo er als Religionslehrer und Vorsänger bei der jüdischen Gemeinde aktiv war. Seine Frau Bella führte eine koschere Pension für jüdische Studenten, die unter anderem wegen der intellektuellen Gespräche sehr beliebt war. Ab dem Sommersemester 1926 immatrikulierte sich Josef Wochenmark an der Universität Tübingen, um an Seminaren von Jakob Wilhelm Hauer teilzunehmen, bei dem er 1933 mit einer Dissertation zum Thema »Die Schicksalsidee im Judentum« promoviert wurde.[1]

Nachdem die Tübinger Synagoge im Herbst 1932 anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens gründlich renoviert worden war, hielt Oberlehrer Josef Wochenmark die Festpredigt am 25. Dezember 1932. Außerdem sprach der Bezirksrabbiner Abraham Schweizer.[2]

Ende 1934 zog die Familie Wochenmark nach Schwäbisch Gmünd um, weil die Tübinger jüdische Gemeinde nach zahlreichen Auswanderungen für einen eigenen Vorsänger zu klein geworden war. Neben seiner Tätigkeit als Vorsänger unterrichtet Josef Wochenmark dort an der Hindenburg-Realschule. Im Jahr 1940 zogen Josef und Bella Wochenmark nach Stuttgart um. Nachdem Josef am 15. März 1941 von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin das Rabbinats-Diplom erhalten hat, wirkt er bis zu seinem Tod als letzter Rabbiner der Stuttgarter Gemeinde. Anfang März 1943 erhielten Josef und Bella Wochenmark die Benachrichtigung ihrer im April bevorstehenden Deportation.

Um dem bevorstehenden Martyrium des Konzentrationslagers zu entgehen, beschlossen die beiden, sich gemeinsam das Leben zu nehmen. Am 8. März 1943 schnitt sich Josef Wochenmark die Pulsadern auf. Seiner Frau misslang der Selbstmordversuch. Sie wurde am 17. April 1943 nach Theresienstadt deportiert. Von dort wurde sie am 16. Oktober 1944 weiter nach Auschwitz verschleppt, wo sie kurze Zeit später umgebracht wurde.[1]

Quellen[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Zeichen der Erinnerung: Josef und Bella Wochenmark.
  2. Joachim Hahn, Jürgen Krüger: Synagogen in Baden-Württemberg. Band 2: Orte und Erinnerungen. Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1843-5, S. 481–484.