Hopfen

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Hopfen und Malz im Brauwerk Freistil

Hopfen wurde in Tübingen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angebaut.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Einführung des Hopfenanbaus in Tübingen ging einher mit dem deutlichen Niedergang des Weinbaus ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Das 1848 im Zuge der Bauernbefreiung erlassene Gesetz über die Grundentlastung ermöglichte die Anlage größerer Anbauflächen. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Hopfenanbau zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszweige der Stadt. Investiert wurde v.a. von kapitalkräftigen Geschäftsleuten, Beamten und Professoren. Vormalige Weinbauern verdingten sich als Arbeitskräfte in den Hopfengärten.

Aufgegebene Weinberge eigneten sich nicht für den Anbau, da Hopfengärten aufgrund der sehr langen Hopfenstangen weite unterrassierte Anbauflächen erfordern. Vor allem Nordhänge und ebene Flächen wurden bebaut: Wanne, Morgenstelle, Horemer, Obere Viehweide, Im Hopfengarten, Sarchhalde, Föhrberg, Burgholz, Hellerloch, Helmling, Nordhang des Österberges. Die Hopfenstangen kamen aus der Gaishalde und vom Forstamt Weil im Schönbuch, Setzlinge aus Rottenburg (39.000) und 6000 aus dem wohl ältesten deutschen Anbaugebiet um die oberfränkische Stadt Spalt. In der Hochzeit des Tübinger Hopfenanbaus am Ende des 19. Jahrhunderts betrug die Anbaufläche ca. 380 ha. Tübinger Hopfen wurde bis Bayern und Prag geliefert.

Die Stadt förderte den Hopfenbau durch „Bewirtschaftung in städt. Regie“ und Bereitstellung von Allmendeflächen. Mit den Erträgen aus dem Hopfenbau wurden zahlreiche infastrukturelle Investitionen finanziert, wie z.B. das neue Gymnasialgebäude (heute Schimpfhaus) und die Renovierung des damals als Hopfendarre, Magazin u. Bauhof genutzten ehemaligen Fruchtkastens.

Um die vorletzte Jahrhundertwende ging der auf Export besonders in die britischen Dominien angewiesene deutsche Hopfenanbau insgesamt stark zurück durch die wachsende Konkurrenz aus den USA, die über besonders günstige klimatische Verhältnisse und großflächige Anbauflächen verfügten. Das betraf insbesondere auch Tübingen mit seiner zumeist keinbäuerlichen Landwirtschaft.[1]. Die Tübinger Hopfenbaugesellschaft bestand nur von 1845 bis 1892.[2]. Ab 1900 setzte ein schneller Abbau der Flächen ein und kurz nach dem Ersten Weltkrieg wurden die letzten Hopfen "herausgehauen". Die Flächen wurden für lebenswichtige Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Getreide benötigt.

Heute noch stößt man am Österberg, im Burgholz und auf den Hängen und Höhen im Norden der Stadt auf verwilderten Hopfen. Anders als der Wein erlebt der Hopfen aber keine Renaissance in Tübingen.

Hopfendarre und Hopfenmagazin[Bearbeiten]

Mit der Zunahme des Hopfenbaus wurde es nötig, Hopfen auch an ganz ungewöhnlichen Orten zu dörren, z.B. im Dach der Stiftskirche, in Hörsälen der Alten und Neuen Aula während der Semesterferien. Selbst ganze Privatwohnungen wurden zum Aufstellen der Hopfen-Schuber genutzt (z.B. in der Herrenberger Straße 18).

Die den Bedarf der Tübinger Brauereien weit übersteigenden Ernteerträge veranlassten auch den Bau eines Hopfenmagazines. Das von Ferdinand Hof 1860 errichtete Gebäude Wilhelmstraße 14 diente als "ein großes Hopfenhaus, in dem die Einrichtungen für fachgemäße Schwefelung, Konservierung, Nachtrocknung, Lagerung und Verpackung des Hopfens geschaffen wurden".[3]. Der Hopfen musste also nicht sofort verbraucht, sondern konnte gelagert und exportiert werden.

Quellen[Bearbeiten]

  1. dies sowie die meisten anderen Informationen aus "Der Tübinger Hopfenbau" TÜBl. 53/S.21ff
  2. „Das andere TÜ“ S. 77-82
  3. "Der Tübinger Hopfenbau" TÜBl. 53/S.24