Hans Schmeißner
Hans Schmeißner (*1900, † 1966) war ein Pfarrer - Methodistenpastor - und Filmproduzent, der in seinem Leben viele verschiedene Dinge gemacht und ausprobiert hat und der in den 1920ern nach Tübingen kam, weil seine künftige Frau Eleonore hier auf Lehramt studierte.
Er selbst hatte während des ersten Weltkriegs eine Lehre in einem Herrenbekleidungsgeschäft in Freudenstadt gemacht und gründete 1919 in Ulm eine Textilfabrik. Nach 3 Jahren als Fabrikant zog es ihn 1922 zum Theologiestudium nach Frankfurt.[1]
Er kaufte 1933 ein Haus am Österberg-Hang zwischen Garten- und Schwabstraße, wo seine Familie und ihre Nachfahren auch im Jahr 2024 noch leben.
Zu seinen Nachfahren gehört auch der jüngste Sohn Albrecht Schmeißner, genannt "Ali", der als einer der lautesten Stimmen und Akteure bei den Tübinger Studentenunruhen um und nach 1968 bekannt wurde, und der auch lange in dem Haus wohnte, bis zu seinem Tod 2015.
Arbeit als Filmproduzent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Seine Tochter Brigitte Thomas erzählt 2024 in einem langen Tagblatt-Artikel über die Arbeit und Motive ihres Vaters:
[...] Hans Schmeißner war ein frommer, aber auch abenteuerlustiger Mann mit einer Leidenschaft für Reisen und Filme. 1936 machte er sich, inzwischen Methodistenpastor, zum ersten Mal mit einer Kamera auf ins „Heilige Land“ und drehte einen Studienfilm, der viel Beachtung fand. Auch im Krieg, wo er als Feldgeistlicher eingesetzt war, kam er von der Kamera nicht los. Er machte Passfotos von Soldaten und erstellte - im Auftrag des Wehrkreiskommandos - einen Film über die Arbeit im Lazarett.
Nach dem Krieg wollte er Christen und Juden wieder zusammenbringen. Bundespräsident Theodor Heuss persönlich, so erzählt es Brigitte Thomas, habe ihren Vater gebeten, dem deutschen Volk die Geschichte Israels filmisch nahezubringen. Das war genau das, was Schmeißner sich vorstellte. Kurzentschlossen kündigte er seine Pfarrerstelle und wurde Filmproduzent. Carl Borgward, der Autokonstrukteur aus Bremen, stellte ihm eine Isabella zur Verfügung, und so reiste Schmeißner in den fünfziger Jahren dreimal in den Orient. Der Tübinger besuchte Istanbul, Damaskus, Amman, Jerusalem und Gaza, er sprach mit dem pakistanischen Außenminister und - als erster Deutscher - mit dem jungen jordanischen König Hussein. Über seine Reise drehte er einen „Kulturfilm“, der in ganz Deutschland gezeigt wurde.
„Mein Vater wollte etwas für die Versöhnung der Religionen tun“, erklärt Brigitte Thomas, „das ist doch wichtig, gerade heute.“ Schmeißners Werk beschäftigte sich mehr mit Muslimen als mit Juden, aber es wurde gelobt und erhielt das Prädikat „wertvoll“. Der Film, schrieb das Hamburger Abendblatt, rücke „das ganze flimmernde Antlitz des Vorderen Orients“ ins Bild. Ein kommerzieller Erfolg wurde „Istanbul - Damaskus - Jerusalem“ aber nicht. Den Tübinger Produzenten, der Tag und Nacht für seine Mission gearbeitet hatte, kostete der Film viel Geld und Kraft. Vor allem musste er feststellen, dass er mit seinem „geschichtlichen Versuch zur Wiederherstellung der Gemeinschaft bei den Juden, den Christen und den Mohammedanern“ nicht sonderlich erfolgreich war. Hans Schmeißner starb mit 66 Jahren.
Brigitte Thomas liebte ihren Vater: „Er war ein rechtschaffener Mann, christlich und gerecht.“ Aber er war auch ein ferner Vater, der sich für seine Familie wenig interessierte. „Die Brigitte wird schon ihren Weg machen“, schrieb er einmal über seine Tochter. Brigitte Schmeißner, 1937 geboren, war das dritte von vier Kindern. Hanns und Volker hießen die älteren Brüder, Albrecht war der jüngste. [...]
Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Film von 1953: