Corps Suevia Tübingen

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Wappen der Suevia Tübingen
Kneipe des Corps Suevia um 1815
Mensur 1822
Großer Kneipsaal um 1900

Corps Suevia Tübingen ist ein Corps, das von 1857 bis 1971 dem Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV), dem ältesten Dachverband deutscher Studentenverbindungen, angehörte. Das Corps ist farbentragend und schlägt im Gegensatz zu den meisten Corps seit 1971 keine Mensuren mehr. Die Corpsmitglieder werden „Tübser Schwaben“ genannt.

Suevia trägt die Farben schwarz-weiß-rot mit silberner Perkussion, dazu wird eine rote Mütze getragen. Die "Füchse" tragen ein Band in schwarz-rot. Die Farbwahl soll auf die 1793 durch kaiserlichen Gnadenbrief verliehenen Uniformfarben der schwäbischen Reichsritterschaft zurückgehen.[1]


Geschichte[Bearbeiten]

Bereits vor der Gründung des heutigen Corps Suevia, zwischen 1807 und 1830, hat es in Tübingen vier Corps dieses Namens gegeben: Suevia I bis III und Suevia superior.

Im Jahre 1831 wurde dann die heutige Suevia gegründet. Im Jahre 1857 traten die Tübinger Corps - zusammengeschlossen im Tübinger Senioren-Convent (SC) - dem Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) bei.

Innerhalb des Verbandes schloss sich das Corps in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dem „grünen Kreis“ an. Dieser Zusammenschluss von Corps erhielt seine Prägung durch Corpsangehörige aus Familien, die oft schon über Generationen durch Landbesitz und öffentliche Ämter ihre Stellung in der Gesellschaft hatten festigen können. Den Höhepunkt der gesellschaftlichen Anerkennung erreichte das Corps durch die Mitgliedschaft des württembergischen Kronprinzen Wilhelm, der bald darauf als der letzte König von Württemberg wurde. Zusammen mit anderen deutschen Corps bildet die Suevia heute das sogenannte „urgrüne“ Kartell.

Als in der NS-Zeit 1934 der Ausschluss von Juden aus den Verbindungen gefordert wurde, verweigerten dies mehrere Corps des KSCV, darunter die Suevia. Sie wurden daraufhin aus dem KSCV ausgeschlossen, Suevia löste sich auf.

1949 gründete Suevia mit Franconia und Borussia die Verbindung Österberg. 1950 rekonstituierte Suevia allein.

Zusammen mit anderen prominenten, vornehmlich „grünen“ Corps verfolgte Suevia im Zuge der Umwälzungen durch die Studentenproteste von 1968 im KSCV das Ziel, das Schlagen von Mensuren als Pflicht in Frage zu stellen. Dahinter stand der Gedanke, an innerer und äußerer Glaubwürdigkeit zu gewinnen, wenn die Mensur als Instrument zur charakterlichen Erziehung in den Hintergrund tritt. Als das nicht zu erreichen war, wurde über eine Aufspaltung des Verbandes nachgedacht. Schließlich traten im Jahre 1971 aufgrund der Deckelung der Fechtfrage vier „grüne“ Corps, darunter Suevia Tübingen, aus dem Verband aus. Seitdem haben Angehörige dieser Corps keine Mensuren mehr auf ihre Farben geschlagen.


Haus[Bearbeiten]

Schwabenhaus am Neckar

Das erste Corpshaus der Suevia war ein gekauftes Haus in der Neckarhalde 66, das von 1885 bis 1900 vom Corps genutzt wurde. Bald reichte der Platz nicht mehr aus, und es wurde ein neues Haus direkt am Neckarufer gebaut. Das Schwabenhaus in der Gartenstraße 12 war von 1900 bis 1936 das Corpshaus der Suevia Tübingen. 1953 wurde es an die Stadt verkauft, heute ist es Sitz der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik. Seit 1952 nutzt Suevia ein neu gebautes Haus in der Kleiststraße 12. [2]




Einige bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

  • Prinz Asfa-Wossen Asserate (* 1948), Großneffe des letzten Kaisers von Äthiopien, Unternehmensberater und Autor[3]
  • Richard Brückner († 1953), Fabrikbesitzer
  • Paul von Bruns (1846-1916), Mediziner, Professor für Chirurgie an der Universität Tübingen
  • Alexander von Dassel (1854-1942), Geheimer Justizrat und Amtsgerichtsrat
  • Hermann Freiherr von Gaisberg-Helfenberg (1860-1924), Kammerherr
  • Ulrich von Hassell (1881-1944), deutscher Diplomat und Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944
  • Hermann von Mittnacht (1825-1909), erster Ministerpräsident des Königreichs Württemberg
  • Wolfgang Mülberger (1900-1983), Oberbürgermeister von Tübingen
  • Konstantin Freiherr von Neurath (1873-1956), Reichsaußenminister 1932-38, Reichsprotektor von Böhmen und Mähren 1939-43
  • König Wilhelm II. von Württemberg (1848-1921)



Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Contubernium - Tübinger Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte Bd. 44. Sigmaringen 1996 ISBN 3-51508-022-8
  • Martin Biastoch: Duell und Mensur im Kaiserreich (am Beispiel der Tübinger Corps Franconia, Rhenania, Suevia und Borussia zwischen 1871 und 1895). Vierow 1995. ISBN 3-89498-020-6.

Quellen[Bearbeiten]


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aribert Schwenke: Über die Herkunft der unterschiedlichen Farben unserer Schwabencorps. In: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung 34 (1989), S. 138-139
  2. Arnold Sieveking, Wilhelm Girardet, Vladimir Freiherr von Schnurbein, Nicolaus Fallmeier: Eckdaten zur Corpsgeschichte Suevia Tübingens - zur Geschichte der Schwabenhäuser. in: Wilhelm G. Neusel (Hrsg.): Kleine Burgen, große Villen - Tübinger Verbindungshäuser im Porträt, Tübingen 2009, S. 232-241, ISBN 978-3-924123-70-3
  3. Sein bekanntestes Werk: „Manieren“, Frankfurt/Main 2003. Schreibt in seiner Autobiographie „Ein Prinz aus dem Haus David“ sehr positiv über sein Corps


Weblinks[Bearbeiten]