Burschenschaft Germania Tübingen

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Haus Germania oberhalb der Gartenstraße
Germanen-Eck mit Haus der Germania, Dez. 2014

Die Burschenschaft Germania Tübingen ist eine schlagende und farbentragende Studentenverbindung an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Sie ist die älteste Burschenschaft in Tübingen[1] und eine der ältesten Verbindungen in Deutschland.


Geschichte[Bearbeiten]

Die Burschenschaft Germania führt ihre Gründung auf den 12.12.1816 zurück. An diesem Tag wurden im "Weilheimer Kneiple" von 58 Studenten der Tübinger Allgemeine Burschenverein unter dem Namen Concordia gegründet. Die Farben waren schwarz-himmelblau; im Jahre 1817 wurden aber schon die Farben schwarz-rot-gold (von unten gesehen) gewählt. Der Name Concordia wurde bereits wenige Tage nach der Gründung in Arminia umgewandelt; ab 1817 wurde der Name Germania verwendet.

Gedenktafel zur Gründung der "Tübinger Burschenschaft" am Weilheimer Kneiple

Weitere Daten: [2]

  • 1819 Verbot der Korporationen aufgrund der "Karlsbader Beschlüsse" nach der Ermordung Kotzebues
  • 1825 Erneutes Verbot der Burschenschaft, die als Geheimbund bestehen bleibt
  • 1828 Aufspaltung in "Commentburschenschaft" und "Feuerreiter"
  • 1833 Verbot der Burschenschaft nach dem Sturm auf die Frankfurter Hauptwache
  • 1833 Wiederbegründung
  • 1848 Aufhebung der Karlsbader Beschlüsse
  • 1853 Abermaliges Verbot der Burschenschaft, Weiterbestand als "freie Gesellschaft"
  • 1854 Neuanmeldung bei der Universität unter dem Namen "Normannia"
  • 1857 Annahme es Namens "Tubingia"
  • 1862 Das Verbot des Tragens der Farben Schwarz-Rot-Gold wird aufgehoben; die Verbindung nimmt wieder den Namen "Germania" an.
  • 1896 Einweihung und Bezug des neu erbauten und ersten eigenen Hauses, des "Bierkirchles"
  • 1910 Erwerb des Uhland-Hauses auf dem Nachbargrundstück Gartenstraße 1
  • 1929 Abriss des Bierkirchles und Beginn eines Neubaus
  • 1931 Einweihung des neuen Hauses
  • 1936 Auflösung der Burschenschaft
  • 1937 Bildung der "Kameradschaft Ludwig Uhland" mit der Königsgesellschaft Roigel
  • 1944 Zerstörung des Uhlandhauses und Germanenhauses (teilweise) durch Bombenabwurf
  • 1945 Beschlagnahme des Hauses durch die Franzosen
  • 1946-49 Weiterführung der Gemeinschaft mit Roigel unter dem Namen "Tubingia"
  • 1950 Der Name Germania wird wieder angenommen; Bau des Behelfsheims oben im Garten
  • 1957 Das Haus geht wieder in den Besitz der Burschenschaft Germania über.
  • 1973 Austritt der Burschenschaft Germania Tübingen aus der Deutschen Burschenschaft

Häuser[Bearbeiten]

Uhlandhaus und Germanenhaus

Die Philister gründeten 1894 eine Genossenschaft mit dem Zweck, für die Aktivitas ein eigenes Haus zu errichten. Dazu erwarb man das Grundstück Gartenstraße 3, auf dem sich früher die Eifertei befand, eine gut gehende Gastwirtschaft von Ernst Eifert, in der die Burschenschaft in der ersten Zeit ihres Bestehens verkehrte. Zuletzt hatte man sich im "Ballhaus" (am Lustnauer Tor) getroffen. Der Neubau, den man im Volksmund bald "Bierkirchle" nannte, wurde 1896 fertiggestellt. 1910 wurde das westlich benachbarte Haus erworben, in dem Uhland gewohnt hatte und das zuletzt den Erben des Professors Christoph Sigwart gehört hatte. Hier entstand ein kleines Uhland-Museum.

Das Bierkirchle wurde bald zu klein, und 1929 beschloss man den Abbruch und Neubau. Das neue Haus wurde im damals zeitgemäßen nüchtern-sachlichen Stil von dem angesehenen Architekten Paul Schmitthenner entworfen. Es wurde 1931 eingeweiht und als "Neue Eifertei" bezeichnet. Das Gemälde an der Holzdecke des Kneipsaales ist denkmalgeschützt. Im Kriegsjahr 1944 zerstörte eine Bombe das Uhlandhaus ganz und das Germanenhaus teilweise. Schmitthenner, der nach dem Kriege in Kilchberg wohnte und dort 1952 Ehrenbürger wurde, leitete den Wiederaufbau des Germanenhauses in leicht veränderter Form. Das Uhlandhaus wurde nicht wieder aufgebaut, die Lücke füllen bis heute lediglich zwei eingeschossige Läden.

Das Gebäude wurde 1945 von den Franzosen zunächst beschlagnahmt und diente dann bis 1957 deutschen Behörden: Innenministerium von Württemberg-Hohenzollern und dann Regierungspräsidium. 1950 hatte die Aktivitas in Eigenleistung im oberen Uhlandgarten ein Behelfsheim errichtet, bevor 1957 das Haus nach gründlicher Renovierung an die Burschenschaft zurückgegeben wurde. Der "Aquarium" getaufte Behelfsbau wurde zum Wohnheim umgebaut. [3]

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

Unter den ehemaligen Mitgliedern der Germania finden sich zahlreiche Personen aus Politik, Wirtschaft und Kultur . So gehörten mindestens 21 Mitglieder des Paulskirchenparlaments zur Tübinger Germania und ihren Vorgängerverbindungen.

Tafel am Hauseingang zum 225. Geburtstag Uhlands
(Foto 2014)

Eine Auswahl der bekanntesten Personen:

  • Berthold Auerbach, Schriftsteller
  • Ernst Elsenhans, Revolutionär der Märzrevolution 1848/1849
  • Theodor Eschenburg, Politikwissenschaftler und Staatsrechtler
  • Wilhelm Hauff, Schriftsteller
  • Robert von Mohl, Staatswissenschaftler
  • Paul Achatius Pfizer, württembergischer Politiker, Journalist, Jurist und Politiker
  • Ludwig Uhland, Dichter, Literaturwissenschaftler, Jurist und Politiker
  • Friedrich Theodor Vischer, Literaturwissenschaftler, Philosoph, Schriftsteller und Politiker


Im April 2012 wurde beim Eingang des Hauses eine Tafel zur Erinnerung an Ludwig Uhland zu dessen 225. Geburtstag angebracht.[4]


Ferner[Bearbeiten]

Die Mitglieder werden oft als Bixiers bezeichnet - dies leitet sich von ihrem Stammlokal im 19. Jahrhundert, der Büchsenkneipe, ab - oder Eckgermanen, zur Unterscheidung von den Straßengermanen (Alte Straßburger Burschenschaft Germania).

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Contubernium - Tübinger Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte Bd. 44. Sigmaringen 1996 ISBN 3-51508-022-8


Quellen[Bearbeiten]

Bibliothek auf einem alten Foto
  1. Im Jahr 2005 konnte die Landsmannschaft Ulmia nachweisen, dass sie im November 1815 gegründet wurde, somit 1 Jahr älter als Germania und die älteste noch bestehende Verbindung in Tübingen ist. Die Germania bleibt aber älteste "Burschenschaft". Quelle: Kleine Burgen, grosse Villen: Tübinger Verbindungshäuser im Porträt. - Hrsg.: Wilhelm G. Neusel für den ArbeitsKreis Tübinger Verbindungen (AKTV). - 1. Aufl. - Tübingen: Selbstverl. des AKTV, 2009 - ISBN 978-3-924123-70-3, Seite 243.
  2. a.a.O., Seite 91 ff.
  3. a.a.O., Seite 94 ff.
  4. Tagblatt.de: Tafel zum Geburtstag von Ludwig Uhland enthüllt, April 2012


Weblinks[Bearbeiten]