Bernd Jürgen Warneken

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Bernd Jürgen Warneken (* 10. Januar 1945 in Jena) ist ein deutscher Kulturwissenschaftler, der eng mit Tübingen verbunden ist.

1946 - mit 1 1/2 Jahren - zieht er zusammen mit seiner Mutter in deren Geburtshaus Holzmarkt 1 ein, wo sich damals das Feinkostgeschäft Flammer seines Großvaters befand. Dort wohnt er 25 Jahre während seiner Schulzeit (1964 Abitur am Uhland-Gymnasium) und seinen Studienjahren. Seine Familiengeschichte und damit gleichzeitig viel Tübinger Lokalgeschichte hat er in seinem Memoir anschaulich beschrieben. Dieser Text "Tübingen Holzmarkt 1" ist als pdf verfügbar.[1]

Als Student in Tübingen war er anfangs Mitglied des SHB (Sozialdemokratischer Hochschulbund) und bald schon Redakteur der Studentenzeitung Notizen, die im Frühjahr 1964 mit ihren Ausgaben zur NS-Zeit an der Universität großes Aufsehen erregt hat. Warneken studiert Geschichte, Germanistik, Philosophie und Allgemeine Rhetorik an den Universitäten in Tübingen und Heidelberg.

1975 promoviert er mit der Dissertation „Literarische Produktion – Grundzüge einer materialistischen Theorie der Kunstliteratur“. Anschließend arbeitet er als wissenschaftlicher Assistent am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen.

Als engagierter Gewerkschaftler veröffentlicht er 1980 zusammen mit einer Autorengruppe - vom DGB Kreis Tübingen herausgegeben - den Band "Arbeitertübingen". In seinem Nachwort drückt Warneken die Hoffnung aus, "daß der Heimatgeschichte der arbeitenden Bevölkerung unserer Stadt in den nächsten Jahren mehr Aufmerksamkeit gewidmet würde als in den hundert Jahren davor".[2]

1983 habilitiert er an der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften. 1986 wird er Akademischer Rat, 1990 Extraordinarius für Volkskunde am Ludwig-Uhland-Institut.

Seit 1976 ist er Mitherausgeber der Reihe Untersuchungen des Ludwig-Uhland-Institutes, seit 1987 Vorstandsmitglied des Tübinger Forschungsinstituts für Arbeit, Technik und Kultur e.V. Darüber hinaus ist er Geschäftsführer der Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V. sowie Mitherausgeber der Reihe Forum Europäische Ethnologie.

2009 hat B.J. Warneken zusammen mit der Tübinger Journalistin Ulrike Pfeil den Fotoband "Grohes Tübingen - Zeitgeschichtliche Fotografien aus den 1960er bis 1980 Jahren" herausgegeben, 160 Seiten, erschienen im Verlag Schwäbisches Tagblatt Tübingen. (ISBN-3-928011-65-5).

Warnekens besonderes Engagement und Interesse für die Tübinger Lokalgeschichte zeigt sich auch bei der Ausstellung im Heimatmuseum "Tübinger 1848 1968 Revolten, die er mit angeregt hat, wie er dies Oliver Stenzel 2018 erklärt.[3] Als Beteiligter und Zeitzeuge erzählt er von seiner Tübinger Studentenzeit auch in seinem Buch „Mein 68 begann 65. Eine Tübinger Retrospektive“ (Klöpfer & Meyer Verlag, Tübingen 2018, ISBN 978-3-86351-466-2) - siehe den Artikel Achtundsechziger und der SDS.

Das besondere Motiv von Warneken, diese beiden für ihre revolutionäre Stimmung bekannten Jahre mit dem Fokus auf die Ereignisse in Tübingen zusammen bzw. nebeneinander zu betrachten, bekam seinen Impuls durch eine ganz besondere Entdeckung in seinen Studentenjahren:


[...] Sein Interesse an der Revolte 1848 hat eine familienhistorische Seite. Anfang der sechziger Jahre entdeckte er auf dem Dachboden des großelterlichen Hauses am Holzmarkt 1 eine gebundene Ausgabe der Tübinger Chronik des Jahres 1848 – ausgerechnet jenes Jahrgangs, der sowohl im TAGBLATT-Archiv als auch im Uniarchiv wie im Stadtarchiv fehlte. Was eine nachträglich angeordnete Erinnerungstilgung mahelegt. Warneken schrieb damals für die studentische Zeitschrift Notizen. Als 1965 wieder die CDU die Wahlen gewann, titelten sie mit einer Schlagzeile der Tübinger Chronik aus dem Jahr 1848: „Auswandern oder Bleiben ?“ [...]


Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]