Alte Turnerschaft Eberhardina-Markomannia

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Koordinate
Wappen der Alten Turnerschaft Eberhardina-Markomannia
Zirkel der Alten Turnerschaft Eberhardina-Markomannia
Universität: Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Gründung: 3. Februar 1881
Couleur: hellblau - weiß - schwarz
Kopfbedeckung: Tellermütze
Trageweise: farbentragend
Art des Bundes: Männerbund
Stellung zur Mensur: fakultativ schlagend
Wahlspruch: Das Herz gehört dem Vaterland! (Eberhardina)

per aspera ad astra! (Markomannia)

Website: www.eberhardina.de

Die Alte Turnerschaft Eberhardina-Markomannia ist eine dachverbandsfreie Studentenverbindung an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Sie ist fakultativ schlagend und farbentragend. Die Alte Turnerschaft Eberhardina-Markomannia ist am 1. Oktober 1951 durch Fusion aus der Turnerschaft Eberhardina Tübingen (gestiftet am 18. Oktober 1884) und Turnerschaft Markomannia Königsberg (gestiftet am 3. Februar 1881) hervorgegangen. Das Stiftungsdatum ist dementsprechend der 3. Februar 1881. Die Farben der Markomannia Königsberg sind blau-gold-rot und werden als Traditionsband von den Chargen getragen. Burschen ist das verdeckte Tragen des Bandes freigestellt. Nach drei Traditionspartien darf das Markomannen-Band offen getragen werden.

Grundsätze[Bearbeiten]

Die Alte Turnerschaft Eberhardina-Markomannia versteht sich als weltoffene, moderne Verbindung und ist parteipolitisch sowie weltanschaulich neutral. Für eine Mitgliedschaft spielt es keine Rolle, welcher Nationalität, Partei, Religion oder Fakultät man angehört. Außerdem soll das Studium um sportliche Aspekte erweitert werden. Neben diversen Sportarten lernen die Mitglieder das studentische Fechten, Dressurreiten und Stocherkahn fahren.

Geschichte[Bearbeiten]

Geschichte der Turnerschaft Eberhardina zu Tübingen[Bearbeiten]

Biesingerstraße 12 (links), 1905-34 im Besitz der Eberhardina

Gegründet wurde die Eberhardina am 18. Oktober 1884 in Tübingen in der Münzgasse 1 als Einjährigen-Freiwilligen-Quartett (EFQ) (Gesangsquartett von Studenten nach ihrer militärischen Grunddienstzeit). Die Gründer waren alle Studenten der Theologie und begeisterte Anhänger des seinerzeit in Tübingen in Blüte stehenden Chorgesanges.

Die Gründer fanden sich im Zeichen des Gesanges zusammen, beschlossen aber bald, dem Quartett einen mehr korporativen Charakter zu geben und benannten sich 1885 in Eberhardina um. Dieser Name leitet sich vom Gründer der Universität Tübingen ab. Es gab Gesangsabende im Gasthof zur Linde, später wurde hier auch ein eigener Clubraum als Kneipzimmer genutzt.

1889/1890 wurde das Quartett zu einer Studentenverbindung mit eigenen Statuten, um den überwiegend aus Norddeutschland stammenden Mitgliedern einen festen Rahmen zur Pflege von Geselligkeit und Freundschaft zu geben. Man verstand sich als schwarze schlagende Verbindung. Die unbedingte Satisfaktion wurde bereits 1886 in den Statuten festgelegt.

Der Altherrenverband wurde 1895 gegründet, wobei die Mitgliedschaft zunächst fakultativ war.

Als Turnerschaft fand schließlich 1897 die Umwandlung in eine farbentragende Verbindung statt, es wurden die Farben hellblau-weiß-schwarz getragen, dazu eine blaue Mütze.

Früh wurde auch ein offizieller Paukboden eingeführt. 1890 wurde mit der Verbindung Saxonia Tübingen ein Paukverhältnis abgeschlossen, welches zwölf Jahre bestand. Mit Eintritt in den VC 1898 bestand ein Paukverhältnis mit der Turnerschaft Hohenstaufia.

Dass, zumindest zeitweise, ein gutes Verhältnis zwischen den beiden Tübinger VC-Turnerschaften Eberhardina und Hohenstaufia herrschte, beschreibt Josef Buchhorn, der Verfasser des berühmten Studentenliedes "Student sein", in seinem Buch "Die Hohenstaufen".

Stauffenbergstraße 30, Gartenseite.
1934-36 Verbindungshaus der Eberhardina (ehem. Villa Siebeck, heute Leibnizhaus)

Trotz Schuldenproblem 1904, war der Wunsch nach einem eigenen Haus zur Nachwuchsgewinnung sehr groß. 1905 erwarb die Eberhardina ihr erstes Haus in der Biesingerstraße 12 in Tübingen. In den Jahren des Ersten Weltkrieges 1914-1918 wurde die Aktivitas suspendiert und konnte erst am 7. Januar 1919 wiedereröffnet zu werden.

Am 26. Juli 1912 kam es zur Gründung des Blauen Rings mit anderen Turnerschaften (Philippina Marburg, Ghibellinia München, Markomanno-Albertia Freiburg, Rheno-Palatia Heidelberg, Suevia Breslau) zwecks Vertretung gemeinsamer Interessen im VC. Dies erregte großes Aufsehen im Verband. In der Folge wurden auf Antrag einiger Verbandsturnerschaften jegliche Kartelle oder kartellähnliche Zusammenschlüsse im VC verboten. Der Blaue Ring bestand jedoch als Freundschafts- und Verkehrsverhältnis weiter.

Die Jahre 1921 bis 1927 waren gekennzeichnet durch vier vorherrschende Probleme, die mehr oder weniger miteinander zu tun hatten: die Kassen- und Nachwuchsprobleme und die Haus- und Verbandsfrage, da Eberhardina in der Zeit nicht im VC war (Eberhardina trat 1921 aufgrund Mensurstreitigkeiten mit Hohenstaufia aus dem VC aus. Als Ersatz und um Hohenstaufia ein Paukverhältnis zu sichern, wurde von VC-Burschen die Turnerschaft Straßburg zu Tübingen gegründet). 1927 erfolgte die erneute Aufnahme der Eberhardina in den VC mit ihren alten Rechten. Der VC-Tübingen bestand fortan aus Eberhardina, Hohenstaufia, Palatia (im VC seit 1927) und Straßburg.

Die Aktivenzahl stieg zwischen 1920 und 1928 so stark an, dass das Haus in der Biesingerstraße zu klein geworden war. So wurde 1934 ein neues Haus in der Staufenstraße (heute Stauffenbergstraße) 30, auf dem Österberg in Tübingen, gekauft.

Wie die meisten Bünde und auch der VC wurde auch die Eberhardina 1936 suspendiert. Grund hierfür war die Gleichschaltung durch den NS-Studentenbund. Der Altherrenverband bestand jedoch weiterhin. Um weiterhin das Bundesleben fortführen zu können, bestand der Bund als Kameradschaft Skagerrak gemeinsam mit Saxonia Tübingen und Lunaburgia Göttingen weiter. Um einer Enteignung und damit den Verlust des Hauses zu entgehen, verkaufte Eberhardina ihr Haus an die Stadt Tübingen vor der Suspendierung. Nach Kriegsende stellte sich der Verkauf allerdings als Fehlentscheidung heraus, da Bünde, deren Häuser enteignet worden waren, ein Anrecht auf den Rückkauf hatten, während Eberhardina für viel Geld auf dem freien Markt ihr Haus hätte zurück kaufen müssen. Deshalb begann nach der Wiedergründung die Suche nach einem neuen Haus. 1951 kam es dann zum Zusammenschluss mit der Königsberger Turnerschaft Markomannia.

Geschichte der Turnerschaft Markomannia zu Königsberg[Bearbeiten]

Die Turnerschaft Markomannia ist hervorgeganen aus dem Verein für Neuere Philologie, der am 3. Februar 1881 von 22 Studenten gegründet und durch den Senat der Albertus-Universität Königsberg am 1. März 1881 bestätigt wurde. Zahlreiche Professoren der Neusprachlichen Fakultät traten in den Folgejahren bei. Zudem trat der junge Verein dem Cartellverband Neuphilologischer Vereine bei. Hauptziel war die Pflege der Wissenschaft, allerdings zeigten sich in den Vereinsstrukturen schon starke Anklänge an das Korporationsleben. Hiermit trat der Verein für Neuere Philologie zum ersten Mal mit dem Akademisch Naturwissenschaftlichen Verein in Kontakt, aus dem später das RSC-Corps Vandalia hervorging. Zu dieser Zeit war von Farben, Zirkel und Wappen etc. nicht die Rede, die Mitglieder redeten sich mit "Herr" an und somit bestand kein Unterschied gegenüber anderen beliebigen Vereinen. Es kam sogar vor, dass höhere Semester, die vor dem Examen standen, noch schnell in den Verein eintraten, um sich die Gunst der prüfenden Lehrer zu sichern. Nachdem es in den 1890er Jahren einen deutlichen Überschuss an Neuphilologen auf dem Arbeitsmarkt gab und bedingt dadurch auch immer weniger Studenten, sah man sich 1894 gezwungen den Verein zu suspendieren.

1897 kam es zur Wiedereröffnung unter dem Namen Akademischer Neuphilologischer Verein. Dieser nahm rasch einen deutlichen korporativen Charakter an. Es wurde gefochten und man legte Farben (hellblau-weiß-dunkelgrün) an. Der Ausschluss aus dem Verein machte die Aufnahme in einen anderen Verein unmöglich. Um dem umfangreichen Vereinsleben einen besseren Rahmen zu geben, mietete man bald Räumlichkeiten an. Wöchentlich fand ein Vereinsabend statt und allmählich kamen auch die Bezeichnungen "Aktive", "Inaktive" und "Alte Herren" auf. Ab 1899 wurde von den Mitglieder unbedingt Satisfaktion verlangt und 1901 wandelte sich der Verein in eine allgemeine wissenschaftliche Verbindung um. Man erhoffte sich davon mehr Nachwuchs. Im Zuge dieser Umwandlung gab man sich den Namen Turnerschaft Markomannia mit neuem Wappen und Wahlspruch ("Per aspera ad astra"). Am 24. Mai 1904 trat Markomannia dem Vertreter-Convent bei.

Während des Ersten Weltkriegs wurde die Verbindung vertagt und machte in den Jahren nach Kriegsende eine schwere Zeit durch. Die kurzzeitig während der Kriegsjahre von VC-Burschen gegründete "Kriegsturnerschaft Austroborussia" (Farben: Schwarz- gelb auf weißem Grund, Wahlspruch:" Pro patria est dum ludere videmur") kneipte in den Räumen der Markomannia. Wenige aus dem Felde zurück gekehrte Burschen versuchten trotz Wohnungsnot, Hunger, Verbitterung, Anfeindung der Korporationen, Schließung der Universität den Neuaufbau. Erst Ende der 20er Jahre ging es wieder aufwärts, dann allerdings rasant. Zwischen 1920 und 1931 hatte Markomannia jedes Semester 9–24 Füxe Nachwuchs. Bei so vielen Aktiven benötigte man schnell ein eigenes geräumiges Verbindungshaus. Geplant war ein Hauskauf schon seit 1911, jedoch machte der Krieg alle Wünsche zunichte.

Eine glückliche Wendung brachte im Jahre 1930 die Verschmelzung mit dem RSC-Corps Vandalia. Dieses Corps war aus dem Akademisch Naturwissenschaftlichen Verein (gegründet: 1879) und dem Akademisch Wissenschaftlichen Verein Pharmacia (gegründet: 1881) hervorgegangen. Fortan trug man den Namen Markomannia und die Farben der Vandalia (blau-gold-rot). Die geplante Übernahme des Gründungsdatums der Vandalia und des Wahlspruchs der Vandalia "Servandus tatummodo honos" wurde vom VC nicht genehmigt. Mit der Fusion war genug Geld für den Kauf des Hauses in der Pulverstraße 11 vorhanden. In den letzten Kriegsmonaten ereilte das Markomannenhaus das Schicksal der meisten Königsberger Häuser und wurde zerbombt. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Mitglieder der Markomannia über ganz Deutschland verstreut, doch man hielt den Kontakt aufrecht. Schließlich kam es dann am 1951 zur Verschmelzung mit der Turnerschaft Eberhardina zu Tübingen. Es bekannten sich 139 Markomannen zum neuen Bund "Alte Turnerschaft Eberhardina-Markomannia".

Geschichte der Alten Turnerschaft Eberhardina-Markomannia zu Tübingen[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 1951 schlossen sich die Verbindungen Markomannia Königsberg und Eberhardina Tübingen zur Alten Turnerschaft Eberhardina-Markomannia zusammen. Sitz der neuen Verbindung war Tübingen, da Königsberg (in Preußen) durch den Zweiten Weltkrieg zerstört und zusammen mit dem nördlichen Ostpreußen von der UdSSR annektiert worden war. 1951 erwarb man auch das Haus Auf dem Kreuz 26 auf der Eberhardshöhe in Tübingen.

1952 erfolgte der Eintritt in den Coburger Convent (CC).

Im Mai 1958 kam es zur Wiederbegründung des Blauen Rings in Marburg.

1971 trat die Eberhardina-Markomannia gemeinsam mit anderen Verbindungen wegen Einführung der fakultativen Mensur aus dem CC aus. Gleichzeitig gründete man mit anderen ehemaligen CC-Turnerschaften den Marburger Konvent studentischer Verbindungen (MK), aus dem man 1997 aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über Inhalt und Auftrag einer studentischen Verbindung austrat und fortan die Verbandsfreiheit vorzog.

Am 11. Juni 2000 wurde ein Freundschaftsvertrag mit der Turnerschaft Philippina zu Marburg (heute Philippina-Saxonia) geschlossen.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • zur Turnerschaft Markomannia Königsberg:
    • VC-Verband der Turnerschaften auf deutschen Hochschulen. Charlottenburg 1926, S. 139.
    • Hugo Bauszus: Geschichte der Turnerschaft Markomannia zu Königsberg (Pr.). Greifswald i. Pom. 1932.
    • Michael Doeberl (Hrsg.): Das akademische Deutschland. 3 Bände, 1930–1931.
    • Herbert Mayer: Handbuch des deutschen VC-Studenten. 1908.
    • Thomas Thamm: Korporationsstudententum in Königsberg/Preußen 1918 bis 1945. Historia academica, Bd. 34, 1995 (Schriftenreihe der Studentengeschichtlichen Vereinigung des Coburger Conventes), S. 144–145, 152–153.
  • zur Turnerschaft Eberhardina Tübingen:
    • Martin Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Sigmaringen 1996.
    • Michael Doeberl (Hrsg.): Das akademische Deutschland. 3 Bände, 1930–1931.
    • Sonja Levsen: Elite, Männlichkeit und Krieg. Tübinger und Cambridger Studenten 1900–1929. Göttingen 2005.
    • Herbert Mayer: Handbuch des deutschen VC-Studenten. 1908.
  • zur Alten Turnerschaft Eberhardina-Markomannia Tübingen:
    • Heinrich Gaese, Ernst Schäfer, Wolfgang Herb, Wolfgang Spaeth: Eberhardina-Markomannia – Die Geschichte einer Verbindung. Tübingen 1981.
    • Werner Kratsch: Das Verbindungswesen in Tübingen - Eine Dokumentation im Jahre des Universitätsjubiläums 1977, Verlag: Altherrenschaft der Tübinger Verbindungen, Tübingen, 1977.
    • Wilhelm G. Neusel (Hrsg.): Kleine Burgen, große Villen – Tübinger Verbindungshäuser im Porträt. Tübingen 2009.

Weblinks[Bearbeiten]