Alfred Göhner
Alfred Göhner (*1907 in Tübingen, †1985 ebenda) war nach 1950 für viele Jahre der einzige Pressefotograf des Schwäbischen Tagblatts, der mit seinen Aufnahmen in der Lokalzeitung das öffentliche Leben in Tübingen festhielt. Sein fotografisches Werk der Nachkriegszeit umfasst ca 10.000 Negativfilme mit mehr als 140.000 Bildern, wovon nur ein kleiner Teil im Tagblatt erschien.
Mit einer Ausstellung einer kleinen Auswahl seiner Bilder im Stadtmuseum Tübingen im Frühjahr 2006 sollte die Arbeit des für Tübingen bedeutenden Fotografen gewürdigt werden, was zugleich ein Beitrag zur Tübinger Stadtgeschichte bildete.
Unter der Projektleitung des Stadtarchivars Udo Rauch zusammen mit Antje Zacharias wurde mit dem Titel „Tübinger Szenenwechsel 1950–1970 Alfred Göhner und seine Pressefotos“ ein großformatiger Ausstellungskatalog erstellt, der als Nr. 73 in der Reihe „Tübinger Kataloge“ vom Kulturamt der Stadt Tübingen im Jahr 2006 herausgegeben wurde. (ISBN 3-910090-67-2)
Der Katalog zeigt ca. 150 Schwarz-Weiß-Fotos, die thematisch geordnet und mit ausführlichen Begleittexten eines Autorenteams versehen sind. Nach einem Vorwort von Udo Rauch stellt Carmen Palm, die ihre Magisterarbeit über Alfred Göhner geschrieben hat, auf den Seiten 9-17 kenntnisreich die Biografie und das Werk von Alfred Göhner dar.
Da fast die Hälfte der 222 Seiten des Katalogtextes – allerdings mit verpixelten Bildern – als PDF zur Verfügung steht, kann dort auch der ausführliche Beitrag von Carmen Palm nachgelesen werden.[1]
Daher hier nur die Lebensgeschichte von Alfred Göhner in Kurzform, die auch exemplarisch für die Verstrickungen in der NS-Zeit und dem Umgang damit in der Nachkriegszeit betrachtet werden kann:
1907 in Tübingen geboren, Besuch der Oberrealschule, dann Lehre als Feinmechaniker. Arbeit in Stuttgart, wo er im Jahr 1927 auch die staatliche Prüfung zum Lichtspielvorführer ablegt. Sein Berufswunsch, Filmkameramann zu werden, geht nicht in Erfüllung, aber er kann an der staatlichen Münchner Fotoschule nach zwei Jahren die Prüfung als Fototechniker ablegen. 1931/32 arbeitet er als angestellter Laborant bei der Firma Zeiss-Ikon in Dresden.
Im April 1932 kehrt er nach Tübingen zurück, arbeitet zuerst freischaffend; ab März 1933, inzwischen Familienvater, in Festanstellung bei der Tübinger Chronik für den „Chronik-Bilderdienst“, der aber später zentralisiert wird. Von 1936 bis zu seiner Einberufung zum Kriegsdienst 1941 erhält er durch Vermittlung des Oberbürgermeisters Scheef eine Stelle beim neu eingerichteten städtischen Verkehrsamt bzw. der Ernährungsabteilung der Stadt. Als Soldat ist er Mitglied einer Propaganda-Abteilung und arbeitet teilweise als Bildberichterstatter.
Alfred Göhner war NSDAP-Mitglied seit August 1931. Bei Kriegsende kann er in der CSR aus der Kriegsgefangenschaft fliehen, sich zu seinem Bruder nach Ulm durchschlagen, wird aber im Dez. 1945 vom amerikanischen Militär wegen seiner frühen Partei-Mitgliedschaft und Tätigkeit als Tübinger Kreispropagandaleiter in Ludwigsburg interniert und später in die französische Besatzungszone überführt. [2] (Dreiseitiges Dokument der Sonderspruchkammer des Amtsgerichts Balingen vom 14.09.1950, die nun für A. Göhner eine Einstufung als "Minderbelasteter" vornimmt.)
Im Februar 1949 wird er aus der Internierungshaft entlassen. Zunächst arbeitet er für den Reutlinger General-Anzeiger, ab 1950 ist er beim Tagblatt als Pressefotograf angestellt, wo er 1969 aus gesundheitlichen Gründen ausscheidet, aber noch gelegentlich Fotos liefert. Er stirbt im Dezember 1985 in Tübingen.
Nicht nur durch seine Pressefotos im Tagblatt ist Alfred Göhner eine bekannte und anerkannte Person in Tübingen, sondern auch als Vorsitzender der TSG (Turn- und Sportgemeinde Tübingen) von 1958 bis 1968. Als Mitglied der Freien Wählervereinigung gehört er von 1959 bis 1972 dem Gemeinderat und viele Jahre auch dem Kreistag an. 1971 wird ihm die Bürgermedaille der Stadt Tübingen verliehen[3] (Bild der Verleihung auf Seite 10).