Trockenmauer

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Streuobstwiese in einem aufgelassenen Weingarten in Tübingen-Weststadt, Neuhalde am Westhang des Schnarrenbergs. Im oberen Neckartal war nach der Reblauskatasptrophe und dem Bau von Eisenbahnverbindungen der lokale Wein nicht mehr konkurrenzfähig. Trockenmauern und Steinstaffeln an vielen Berghängen des Ammertals und des Neckartals zeugen von der bedeutenden Vergangenheit in dieser Kulturlandschaft.

Trockenmauern sind vom Menschen geschaffene Bauwerke, die in der Absicht erstellt wurden, die Bewirtschaftung von steilen Flächen zu vereinfachen oder überhaupt erst zu ermöglichen. Durch die Bildung von Terrassen wird insbesondere bei Starkregen die Bodenerosion verringert, was bei den größtenteils unbedeckten Weinbergböden besonders wichtig ist.

Trockenmauern in Weinbergen und auf Streuobstwiesen[Bearbeiten]

Trockenmauern sind unverfugt und werden aus einfach behauenen, naturraumtypischen Steinen ohne Bindemittel errichtet. Die Steine speichern die Wärme des Tages und geben sie in den Nachtstunden langsam wieder ab. Dadurch werden Temperaturschwankungen in der Umgebung relativiert. Durch die große Mauerfläche kann bei intensiver Sonneneinstrahlung relativ viel Wasser gleichmäßig verdunsten und somit wird Staunässe verhindert.

Trockenmauern sind Zeugen alter Kulturen und Handwerkskunst im Weinbau und gelegentlich auf Streuobstwiesen. Jeder Steinmetz und Maurer hinterlässt seine persönliche „Handschrift“ in Arbeitstechnik und Gestaltung der Mauer. Die Verwendung von örtlich anstehendem Material schafft unverwechselbare, individuelle Landschaftsbilder.[1]

Biotope[Bearbeiten]

Die Trockenmauern bilden Ersatzbiotope für Lebensgemeinschaften der Felsspalten. Der Standort ist charakterisiert durch extreme Schwankungen der Tagestemperatur. Je nach verwendetem Substrat bilden sich Kalkfugen- oder Silikatfugengesellschaften. Nirgends sonst wachsen in der Kulturlandschaft Zimbelkraut, Mauerraute oder der Schwarze Streifenfarn. Je nach Alter und Verwitterungszustand der Mauer leben Reptilien, wie Zauneidechse und Blindschleiche, Amphibien, wie Bergmolch, und eine große Zahl von Insekten, wie Hummeln und Mauerbienen in den Fugen und Ritzen.[1]

Naturschutzgesetz[Bearbeiten]

Durch §24a Naturschutzgesetz sind Trockenmauern geschützt, die mindestens 0,5 m hoch sind und zugleich mindestens eine Mauerfläche von 2 m² besitzen. Speziell bearbeitete Steine, z.B. mit Steinmetzzeichen oder Jahreszahlen, sind kulturhistorische Kleindenkmale.[1]

Naturschutzgebiete Hirschauer Berg und Spitzberg-Ödenburg[Bearbeiten]

Blick von der Wurmlinger Kapelle auf den verschneiten Spitzberg bei Hirschau: Links oben alte Trockenmauern von aufgelassenen Weinbergen und unterhalb davon Streuobstwiesen.

Der obere Bereich der früheren Weingärten Hirschaus am Südhang des Spitzbergs ist ein Naturschutzgebiet mit vielen Trockenmauern und ein Lebensraum vieler subtropischer Pflanzen und zahlreicher Insektenarten (Beschreibungen beim Schwäbischen Heimatbund).

Quellen[Bearbeiten]