Akademische Verbindung Igel Tübingen

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Igelhaus, Südseite
Igelhaus von Nordwesten
Wappen der Akademischen Verbindung Igel Tübingen
Das Haus kurz nach Fertigstellung 1902

Die Akademische Verbindung Igel Tübingen liegt in der Schlossbergstraße 7. Das Gebäude ist mit seinem markanten, burgenartigen Aussehen auf der Höhe des Schlossbergs weithin sichtbar.

Die A.V. Igel ist nicht-schlagend und führt als „schwarze Verbindung“ auch keine Farben, sondern besitzt nur die „Spottfarben“ Schwarzgrau, Mausgrau und Silbergrau. Das hängt mit der Geschichte des Igels zusammen, der als Verbindung begründet wurde, um andere Verbindungen mit ihren Ritualen und Farben ins Lächerliche zu ziehen. Da der Igel keine richtigen Farben besitzt und diese Distanziertheit von einer normalen Verbindung auch ausdrücken will, weht auf seinem Dach keine Flagge in seinen Farben, sondern immer die Flagge der höchsten politischen Ordnung (bis in die 1990er Jahre die Deutsche Flagge, seit etwa 1995 die Europaflagge). Der Igel ist politisch und konfessionell neutral.

Die A.V. Igel gehört heute keinem Dachverband o.ä. mehr an. Der Igel war 1952 Gründermitglied des Wernigeroder Schwarzen Verbandes (WSR), der sich 1973 mit dem Miltenberger Ring (MR) zum Miltenberger-Wernigeroder-Ring (MWR) verband. Ende der 1980er Jahre trat der Igel aus dem MWR aus.

Die Verbindung versteht sich als Freundschaftsbund und als eine Gemeinschaft auf Lebenszeit. Seine Devisen sind Igel sei’s Panier und Telorum aeterna seges („Ewig die Saat der Stacheln“).


Geschichte

Als Gründungsdatum gilt der 1. Mai 1871. Ab 1870 trafen sich hin und wieder einige Freunde um Friedrich Gruner, den die Verbindung als Ur-Igel, als Gründer und Vater des Igels bezeichnet. Sie nannten sich gegenseitig „Igel“ (oder „Sauigel“).

Um an der 400-Jahr-Feier der Universität Tübingen als Korporation teilnehmen zu können, gründete sich der Igel 1877 auch offiziell, zunächst als Tübinger Gesellschaft Igel. Ab 1879 trafen sich die Igel in der Kneipe Gaststätte Hades, wo sie langsam eine Satzung, Konvente und Ämter entwickelten. Einige Jahre später führte der Igel das Fechten von Mensuren ein, das 1920 wieder abgeschafft wurde. Seit dem Ende der 1880er Jahre wurde schließlich auch offiziell der Name „Verbindung Igel“ geführt. Im Jahr 1898 wurde der Altenverein gegründet, der bald den Bau eines gemeinsamen Hauses in Angriff nahm. Dieses wurde am 27. Juli 1902 feierlich eingeweiht.

Nach 1933 geriet der Igel zunehmend unter nationalsozialistischen Druck und wurde schließlich im April 1938 zusammen mit der A.V. Virtembergia als "Kameradschaft Neithardt von Gneisenau" in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund eingegliedert. Sitz dieser Kameradschaft war das Haus der Virtembergia.

Im Herbst 1947 rief Hans Hermann Teuffel den Igel neu ins Leben. Das Haus konnte jedoch erst 1952 wieder vollständig bezogen werden, da es vorher vom Württembergischen Rechnungshof genutzt wurde.

Haus

Vor dem Bau des eigenen Hauses traf man sich in der "Beckei" (Gasthaus Beck) in der Neckargasse 9, dem damals sehr bekannten "Café Kommerell" in der Pfleghofstraße 1 (später Buchhandlung Gastl), dem "Hades" in der Hafengasse 8 und schließlich im "Felsenkeller" in der Gartenstraße 37. Im Jahr 1899 billigte die Altenversammlung den Kauf eines Grundstücks in schönster Lage auf dem Schlossberg. Man entschied sich für den Stuttgarter Architekten Adolf Schiedt (1856-1930). Dieser legte zwei heftig diskutierte Entwürfe vor, die vor allem einen turmartigen Hauptbau, nach Westen hin einen Kneipsaal und nach Osten eine vorgelagerte Terrasse mit einer Zugangstreppe vorsahen. Das Schloss Thun in der Schweiz soll Adolf Schiedt zur Gestaltung des Baus angeregt haben. Gebäude dieser Art nennt man in der Burgenkunde "Wohntürme". Nach nur einjähriger Bauzeit konnte das Haus am 11. Mai 1902 bezogen werden. - 1963 wurde im Rahmen eines größeren Umbaus an der Stelle der alten Terrasse ein moderner Anbau mit einem neuen Eingang und einer nun höher liegenden Terrasse errichtet. Der ursprüngliche Hauboden musste zwei Aktivenzimmern und dem heutigen Cafézimmer weichen.[1]

Persönlichkeiten

Zu den bekanntesten ehemaligen Mitgliedern zählen der Schriftsteller Victor von Scheffel, Dietrich Bonhoeffer (Theologe und Widerstandkämpfer gegen das NS-Regime), Robert Gaupp (Professor der Psychiatrie, Eugeniker) und Arnulf Klett (Oberbürgermeister von Stuttgart).

Einzelnachweise

  1. Kleine Burgen, grosse Villen: Tübinger Verbindungshäuser im Porträt. - Hrsg.: Wilhelm G. Neusel für den ArbeitsKreis Tübinger Verbindungen (AKTV). - 1. Aufl. - Tübingen: Selbstverl. des AKTV, 2009 - Seite 134 ff.

Weblinks, Quellen