Emilie Sauer

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Das Schild der ehemaligen Gaststätte Tante Emilie hängt heute in der Gaststätte Boulanger

Emilie Sauer (* 17. April 1874 in Schnait bei Waiblingen; † 9. Januar 1959 in Tübingen) war die als Tante Emilie bekannte Wirtin der nach ihr benannten Gaststätte in der Hirschgasse und später in der Neckargasse 20. In den 1920er Jahren führte sie die Gaststätte zur Farb.

Tante Emilie[Bearbeiten]

Eine mit "Emilie Sauer" beschriftete gebastelte alte Bierflasche im Boulanger (links unten auf dem anderen Bild auf dieser Seite). Unter dem alten Foto steht auf dem Etikett der Flasche: Magda Schneider. Das Passfoto scheint nachträglich über ein anderes Bild auf der Flasche geklebt worden zu sein. Später scheint jemand versucht zu haben dieses Foto dort abzulösen.

Am 1. Oktober 1942 erhielt die 68-Jährige „mit Rücksicht auf die Kriegsverhältnisse“ die Pachterlaubnis für die ehemals Wagner‘sche Weinstube in der Tübinger Hirschgasse. Diese hatte nur niedrige Schankräume, eine enge und primitiv eingerichtete Küche und war bekannt für den „üblen Geruch aus der Abortgrube“. Daher war es schwierig, einen neuen Pächter zu finden, seit der vorherige Wirt Wilhelm Schnaith mit seinen Stammgästen in den „Bären“ umgezogen war.

Aus ihrer Remstaler Heimat schaffte die bald als Tante Emilie bekanntgewordene Metzgerstochter während des Zweiten Weltkrieges mit ihrem Wagen Milch, Most und Wein, Leber-, Streich- und Schwarzwurst herbei und konnte – wohl durch ihre Beziehungen ins Badische – gar Tabak anbieten.[1]


Fackelzug[Bearbeiten]

Am Abend des 25. Juli 1951 organisierten die Universität und die Stadt ihr einen Fackelzug, den ersten nach dem Krieg und den einzigen für eine Frau, dazu noch einer, die nie studiert hatte. Oberbürgermeister Wolfgang Mülberger, Uni-Rektor Helmut Thielicke und Tagblatt-Verleger Will Hanns Hebsacker teilten sich die Kosten für eine Sänfte, in der Tante Emilie zum Marktplatz getragen wurde - gefolgt von über 3000 Tübinger Fackelträgern.

Am Marktbrunnen sprach zunächst Helmut Thielicke, der das „Urbild der Tübinger Studentenmütter“ zur „Miss Tübingen“ kürte. In ihrer Person sollten sinnbildlich alle Tübinger Studentenmütter geehrt werden. Anschließend „vermählte“ der einstige Tübinger Philosophieprofessor und ehemalige Vikar Theodor Haering die Studentenschaft mit der Stadt und ließ beide einander ewige Treue und Liebe versprechen.[1]


Einzelnachweise[Bearbeiten]