Stephan Kienlin

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Stephan Kienlin († 1570) war Tübinger Bürgermeister. Neben dem Amt als Bürgermeister, das er von 1561 bis 1570 innehatte, war Kienlin von Beruf Gerber. Darüber hinaus war er viele Jahre lang Gemeinderat, Spitalpfleger und Mitglied des Stuttgarter Landtags. Sein Wohnhaus befand sich am Ammerkanal in der Hirschgasse 10/12.

Stephan Kienlin war der Ahnherr der einflussreichen und wohltätigen Tübinger Familie Kienlin, die bis ins 18. Jahrhundert hier nachweisbar lebte. Zeugnisse ihrer Spendenbereitschaft sind beispielsweise die zwei silbernen Abendmahlskannen für die Tübinger Kirchen, welche jetzt in der Dauerausstellung des Stadtmuseums zu sehen sind.

Kienlin-Holzepitaph[Bearbeiten]

Martyrium des Heiligen Stephanus auf dem Kienlin-Holzepitaph
Familie Kienlin auf dem Kienlin-Holzepitaph

Das Kienlin-Epitaph aus der Jakobuskirche zur Erinnerung an ihn und seine Ehefrau Elisabeth Hirsch († 1585) wurde um 1870 bei Renovierungsarbeiten aus der Kirche entfernt und ist seitdem verschollen.[1] Es gibt aber noch eine Kopie auf Büttenpapier.

Das Holzepitaph war etwa 2 auf 1,15 Meter groß. Zwischen zwei Schmuckleisten befand sich eine quadratische Bildtafel, die das Martyrium des Heiligen Stephanus darstellte. Dieser wurde wegen Gotteslästerung verleumdet und gesteinigt. An den Seiten dieser Bildtafel war je eine Flügeltüre angebracht, die man auf- und zuklappen und auch abschließen konnte. Waren die Flügeltüren geöffnet, so sah der Betrachter links Stephan Kienlin und seine Söhne, rechts seine Ehefrau und die Töchter. Ein Totenschädel kennzeichnete jeweils die Kinder, die bereits vor den Eltern verstorben waren

Kienlin-Glocke[Bearbeiten]

Er stiftete 1682 die Kienlin-Glocke, die heute noch im Turm der Stiftskirche hängt. Seit der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts herrschte aufgrund der zahlreichen Verluste im Dreißigjährigen Krieg eine rege Nachfrage nach neuen Glocken. Der große Bedarf wurde vor allem durch lothringische Wandergießer gedeckt, die schon seit dem 15. Jahrhundert hin und wieder nach Württemberg gekommen waren und sich nun zu einer ernsthaften Konkurrenz für die einheimischen Glockengießer entwickelten. Ganze Geläute und Ersatz für alte Glocken gossen sie auch für den Landkreis Tübingen.

Die lothringische Wandergießerfamilie Rosier hatte sich beispielsweise seit etwa 1650 in Rottenburg niedergelassen. Die meisten Glocken dieser Zeit erreichen kaum die Qualität mittelalterlicher Glocken, wie man am Beispiel der Kienlin-Glocke der Tübinger Stiftskirche hören kann. Erst im 19. Jahrhundert begann man an, sich auf das mittelalterliche "Glockenideal" zurückzubesinnen. Viele Gießer versuchten, nach mittelalterlichen Vorbildern, neue Glocken und Geläute zu fertigen. Das Niveau des Spätmittelalters wurde aber erst Ende des 19. Jahrhunderts und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder erreicht.[2]

Quellen[Bearbeiten]