Moshi

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Moshi ist eine Stadt in Tansania am Fuße des Kilimandscharos, und Tübingens erste und bisher einzige afrikanische Partnerstadt.


Pertnerschaftsaktivitäten[Bearbeiten]

Die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrag am 16. Juni 2014 in Moshi durch Moshis Bürgermeister Jaffris Michael die Tübinger Kulturamtsleiterin Daniela Rathe.

Der Tübinger Gemeinderat hat die Verwaltung im November 2009 beauftragt, offizielle Verhandlungen aufzunehmen.[1] Es gibt bereits viele persönliche und institutionelle Kontakte auf mehreren Ebenen.[2][3] [4]Es bestehen zum Beispiel enge Beziehungen zwischen dem Krankenhaus in Moshi und der Tübinger Hautklinik.[5]

Im Februar 2010 unternahmen Tübinger Zoologen eine bisher einmalige dreiwöchige Exkursion nach Moshi, um Tiere in ihren natürlichen Ökosystemen zu erleben, Ihr Verhalten bei Störungen zu beobachten und Regulationsmechanismen kennen zu lernen.[6]

Im Juli 2010 sammelte eine Tübinger Delegation um Oberbürgermeister Boris Palmer vier Tage lang Eindrücke im tansanischen Moshi und kam zu dem Ergebnis, dass die Partnerschaft Zeit braucht zum Wachsen.[7]

Am 16. Juni 2014 unterzeichneten Moshis Bürgermeister Jaffris Michael und die Tübinger Kulturamtsleiterin Daniela Rathe, die für den kranken OB Palmer nach Afrika reiste, in Moshi die Partnerschaftsurkunde.[8][9]


Moshi Kaffee[Bearbeiten]

Moshi Kaffee

Ende des 19. Jahrhunderts kamen, im Schutze der deutschen Truppen, Missionare in die Gegend um Moshi. Die Katholiken missionierten am am Osthang, die Lutheraner am Westhang des Kilimanjaro, was unter anderem dazu führte, dass das Niveau des Bildungssystems in der Stadt über dem des Landes liegt. Mit den Missionaren kam auch der Arabica-Kaffee in die Gegend, der für die Wirtschaft von großer Bedeutung wurde.[10]

Seit September 2012 wird in Tübingen der Moshi Kaffee verkauft, dessen Bohnen aus der Region Moshi stammen. Das Etikett dieses Arabica-Kaffees nimmt Bezug auf wachsende Partnerschaft zwischen Tübingen und Moshi. Er wird von einer Kleinbauern-Kooperative, der Kilimanjaro Native Cooperative Union (KNCU), an den Hängen des Kilimanjaros in Bio-Qualität angebaut. Die Bohnen werden direkt nach Hamburg verschifft und anschließend nach Mössingen transportiert. Dort werden sie von der Kaffeecompagnie geröstet und verpackt. Der Kaffee ist bio und Fairtrade zertifiziert.[11]


Verkaufsstellen von Moshi Kaffee in Tübingen[Bearbeiten]


Kilimanjaro Native Co-operative Union (KNCU)[Bearbeiten]

Die Kilimanjaro Native Co-operative Union (KNCU) ist eine der ältesten Kaffeekooperativen Afrikas. Gegründet wurde sie 1925 als Verbund einheimischer Kaffeeproduzenten der Kilimanjaro-Region. Seit den 90er Jahren besitzt die Organisation eine eigene Exportlizenz und ist für den Fairen Handel zertifiziert. Die Produzenten von KNCU stammen aus der Kilimanjaro-Region im Norden Tanzanias, die sich durch fruchtbare Böden und reichlich Niederschläge auszeichnet. Die dichte Besiedlung der Region ließen eine kleinbäuerliche Mischwirtschaft mit Flächen von 3 bis 5 Hektar Land pro Familie entstehen.[11]

Der Kaffeeanbau und die ersten Arbeitsschritte nach der Ernte (wie das Entfernen des Fruchtfleischs der Kaffeekirschen, die Trocknung der Bohnen und ähnliches) sind dezentral organisiert. Die weiteren Verarbeitungsschritte – Schälen, Polieren, Sortierung, Lagerung – erfolgen in Moshi in der „Tanzania Coffee Curing Company“, die mehrheitlich im Besitz der KNCU ist. Von dort wird der Kaffee entweder direkt über den Fairen Handel vermarktet oder an der staatlichen Kaffee-Börse verkauft. Durch die Zusammenarbeit mit dem Fairen Handel hat die KNCU die Garantie, einen Teil ihres Kaffees zu einem festen und fairen Preis verkaufen zu können.[11]


Fairer Stadtkaffee[Bearbeiten]

In einer Mitteilung des Tübinger Gemeinderates vom 06. September 2012 heißt es:[12]

"Die Universitätsstadt Tübingen wurde für ihre Bemühungen um den Fairen Handel im Dezember 2010 von TransFair e.V. Köln mit dem Titel „ Fairtrade-Stadt Tübingen“ ausgezeichnet. [...] Ein besonderes Interesse bestand daran, einen fair gehandelten Städtepartnerschafts-Kaffee in Bioqualität auf den Markt zu bringen, der aus der Kaffee-Anbauregion des Kilimanjaro um die künftige Partnerstadt Moshi in Tansania stammt.
Gleichzeitig mit dem Prozess der Fairtrade-Stadt Tübingen wurden die Bemühungen um eine Städtepartnerschaft mit der tansanischen Stadt Moshi (am Südhang des Kilimanjaro) intensiviert. Daraus entstand die Überlegung, einen fair gehandelten Partnerschafts-Kaffee in Bioqualität auf den Weg zubringen.
Die Rahmenbedingungen für einen solchen Partnerschaftskaffee waren schnell festgelegt: es sollte ein fair gehandelter und auch fair zertifizierter Kaffee der Sorte Arabica sein, der zudem in Bio-Qualität angebaut wird.
Die Hänge des Kilimanjaro sind aufgrund der vulkanischen Böden und des Klimas geradezu prädestiniert für Kaffee-Anbau. Die Geschichte des Kaffee-Anbaus geht zurück bis ins Jahr 1898, als katholische Missionare die ersten Kaffeebäume in Kilema am Kilimanjaro pflanzten. Wegen sozialer und wirtschaftlicher Unwägbarkeiten formierten sich die heimischen Bauern im 1925 in einer Kaffeepflanzer-Organisation, um besser auf dem Markt bestehen zu können. 1988 etablierte sich die genossenschaftliche Organisation der Kleinbauern neu in der Form der Kilimanjaro National Coffee Union (KNCU). In dieser ältesten und größten Genossenschaft in der Region Moshi sind aktuell 67 Genossenschaften mit 60.000 Kleinbauern organisiert, die jährlich ca. 225.000 Sack Rohkaffee exportieren. Rohkaffee der KNCU ist seit 2004 als Bioprodukt von Naturland und bereits seit 1993 von der FLO (Fair Labeling Organisation) als fair gehandeltes und entstandenes Produkt zertifiziert. Er entspricht damit den Anforderungen, die sich die Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt Tübingen gesetzt hatte.
Die ersten, sehr unsteten (wechselnde Ansprechpartner, Stromausfälle, etc.) Kontakte mit der KNCU in 2010 brachten allerdings nicht die konkret gewünschten Ergebnisse bzw. Erkenntnisse für eine Kooperation.
Neben diesen Genossenschaften beherrschen die großen Kaffeehändler die Märkte für in diesem Fall Fairen Kaffee, wie die GEPA oder El Puente. Kontakte mit diesen Großhandelshäusern ergaben auch kein konkretes Projekt, weil die zu bestellenden Rohkaffeemengen zu groß für Tübingen gewesen wären (Minimum-Bestellmenge 3 Tonnen).
Ein weiterer Kontakt ergab sich über die Fairtrade-Stadt Kiel, die über enge Kontakte zu einer von Deutschen geführten Kaffee-Farm in der Nähe von Moshi verfügten. Doch leider brachten auch diese Kontakte nicht die gewünschten Ergebnisse – es konnte zwar die Bioqualität des Rohkaffees, aber nicht ein unabhängiger Nachweis (z. B. Siegel) für eine „faire Produktion bzw. einen fairen Handel“ erbracht werden.
Im Rahmen des Projektes „Klimapartnerschaft“ konnte sich die Tübinger Delegation im November 2011 [...] vor Ort ein Bild über die KNCU machen und die Kontakte dorthin vertiefen.
Nach intensiven Verhandlungs- und Abstimmungsprozessen mit potentiellen Projektpartnern konnte eine Vereinbarung mit der GEPA über den Co-Import von Kaffee der KNCU verwirklicht und eine Vereinbarung mit der Kaffeecompagnie Mössingen zur Weiterverarbeitung erzielt werden. Die Kaffeecompagnie war insbesondere wichtig für die Umsetzung, da die Stadtverwaltung nicht als wirtschaftlicher Partner für die GEPA fungieren kann und außerdem nicht über die entsprechenden Zertifikate für den Handelsweg des Kaffees (chain of custody) verfügte. [...] Die Kaffeecompagnie verfügt sowohl über die erforderlichen Zertifikate bzgl. der Bio-Qualität als auch über die Fairtrade-Zertifikate. Außerdem ist sie als erfahrener Geschäftspartner hinsichtlich des Bezugs, der Röstung und der Verpackung mehr als erfahren und auf dem Markt seit vielen Jahren etabliert.
Um einen Eindruck über die Qualität des KNCU-Kaffees gewinnen zu können, wurde eine kleine Menge des Rohkaffees bezogen. Diese wurde im Rahmen eines Kaffee-„Tastings“ unter Beteiligung der Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt sowie einiger ausgewählter Kaffeeexperten in der Rösterei der Kaffeecompagnie in Mössingen verkostet. Die Qualität des Rohkaffees als auch des gerösteten Endproduktes überzeugte alle Beteiligten. Nach der Klärung der Bezugs-, Transport-, Lagerungs-, Herstellungs- und Verpackungsbedingungen wurde der Auftrag an die GEPA für die Lieferung von 360 kg Rohkaffee und an die Kaffeecompagnie für die Produktion des Röstkaffees erteilt. Zudem konnte mit Herrn Sepp Buchegger ein kompetenter Grafiker gewonnen werden, der das Etikett für die Kaffeeverpackung gestaltete.
Der faire Kaffee in Bioqualität wird nun in einer Menge von ca. 300 kg Röstkaffee im September 2012 auf den Markt gebracht. Er hat den Namen „Der Moshi“. Zunächst werden zwei Varianten angeboten: ein Bohnenkaffee und ein gemahlener Kaffee, jeweils in der 250g-Packung. Der Preis der 250g-Packung wird etwa 6 Euro betragen.
Sollte sich das Produkt, wie zu erwarten ist, auf dem Markt bewähren, so werden Stadtverwaltung und Steuerungsgruppe einen lokalen Partner suchen, der zukünftig den Kaffee – über die oben genannten Mengen hinaus – in Eigenregie produziert und vermarktet. Der Kaffee wird jedoch weiterhin ideell von der Stadt und der Steuerungsgruppe getragen und unterstützt werden."

Quellen[Bearbeiten]