Luftangriffe

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Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

  • Eine nach dem Zweiten Weltkrieg erstellte Bilanz sprach von "lediglich" 82 bei verschiedenen Fliegerangriffen total zerstörten Gebäuden.[1]
Postkarte der alten Neckarbrücke von 1943 mit dem 1944 zerstörten Uhlandhaus in der Bildmitte und rechts davon dem Steintürmchen auf dem Brückenpfeiler
Durch einen Luftangriff zerstörte Häuser Mühlstraße Nr. 1 und Nr. 3
Durch Luftkriegsschäden zerstörtes Uhlandhaus
Brennende Bahnhofsgebäude nach Luftangriff
  • Im Jahr 2003 ergab eine Auswertung neu freigegebener Luftbilder der Alliierten aus den Jahren 1944 und 1945 eine stärkere Belastung als "gemeinhin erinnert wurde"[2]. Zitat:

Es fand ein Abgleich mit den bekannten historischen Aufzeichnungen über Luftangriffe statt. Es wurden Sprengbombentrichter und soweit als möglich auch Trichter von Jagdbomber-Einsätzen, Granaten und potenziellen Blindgängern erfasst.

Insgesamt wurden 1209 Einschlagstellen ermittelt. Als Hauptbereiche für Bombardierungen und Beschüsse kristallisierten sich die Umgebung der Hindenburgkaserne und der Güterbahnhof (inklusive Schaffhausenstraße, Bismarckstraße und ehem. Neckarwerk) heraus. Die für das Loretto-Areal vorgesehenen Bomben trafen die Umgebung der Galgenbergstraße. Weitere Bereiche konzentrierter Bombardements lagen zwischen der Kreuzung B27/B28 bis zum Hornbach-Baumarkt und überraschenderweise in der Neckaraue zwischen Weilheim und Bühl.[3]

Seit dieser Neukartierung gibt es in einigen Bereichen im Raum Tübingen strengere Auflagen bei Baumaßnahmen, was die Prüfung auf eventuell nötige Kampfmittelbeseitigung betrifft.

  • Am 15. März 1944 wurden das Uhlandhaus an der Eberhardsbrücke und seine nähere Umgebung bei einem Luftangriff zerstört. Auch das Steintürmchen auf dem mittleren Pfeiler der Eberhardsbrücke wurde dabei zerstört, in dem bis zur kriegsbedingten Einschmelzung im Jahr 1942 das bronzene Graf Eberhard-Denkmal stand. Als britische Kampfflieger, die Stuttgart im Visier gehabt hatten, kurz vor 23 Uhr von deutschen Jägern bedroht wurden, mussten sie Ballast loswerden und klinkten über dem Österberg eine schwere Luftmine und zwei oder drei Phosphorbrandbomben aus. Die an der nordöstlichen Ecke des Uhlandhauses eingeschlagene Luftmine hatte eine solche Sprengkraft, dass alle Mauern aus dem Fachwerk des "Pomona"-Hauses schräg gegenüber herausgedrückt wurden. Die Häuser in der Mühlstraße 1 und 3 sowie das Betzsche Haus in der Mühlstraße 6 und das Haus der Burschenschaft Germania wurden von Phosphorbrandbomben getroffen.[4] Am nächsten Morgen filmte der Tübinger Schreiner Richard Nill die zerstörten Gebäude mit seiner Schmalfilmkamera und tat etwas zu jener Zeit Verbotenes: Er dokumentierte die rauchenden Trümmer und Aufräumarbeiten rund ums Neckartor. Seine Aufnahmen schlummerten jahrzehntelang in einem alten Reisekoffer, der 2003 ins Stadtarchiv gelangte. Er dokumentierte die Folgen des nächtlichen Bombardements: Der gewaltige Luftdruck hatte im großen Umkreis Fenster und Wände der Häuser eingedrückt sowie die Dächer abgedeckt. Die Trümmer, vor allem Holzbalken, Ziegelschutt, Glassplitter, Möbel und Hausrat lagen in den Straßen und blockierten vorerst den Verkehr über die Neckarbrücke. Überall stieg Rauch auf: Eine gespenstische Szenerie mit ein paar Menschen, die sich an die Aufräumarbeiten machten. Nill kletterte auf den Ruinen herum, um die besten Blickwinkel für seine Schwenks zu bekommen. Offenbar hat ihn niemand davon abgehalten. Der Schwarzweißfilm ist beklemmend und wirkt auf den Betrachter viel unmittelbarer als die Fotos, die man bislang kannte.[5]
  • In der Nacht auf den 16. März 1944 hatten rund 100 britische Lancaster-Bomber 2.500 Tonnen Luftminen, Sprengbomben, Stabbrand- und Phosphorbomben über Kusterdingen abgeworfen.[6] Drei Menschen sind dabei ums Leben gekommen, 144 Gebäude wurden zerstört, davon 93 Wohnhäuser. Das Ziel der insgesamt über 860 englischen Bomber war eigentlich Stuttgart gewesen.[7] Wegen der schlechten Sicht und einigen vor Stuttgart abgeworfenen Bomben, an deren Feuer sich die nachfolgenden Flieger orientierten, wurden damals aber neben anderen Orten weit um Stuttgart herum auch Kusterdingen, Wankheim, und Tübingen getroffen. 2009 wurden auf dem Gelände vor der Ortseinfahrt beim Bau eines Kreisverkehrs insgesamt sieben Bomben, die seit dem Luftangriff auf Kusterdingen im Zweiten Weltkrieg im Boden lagen, von den Baumaschinen aufgedeckt und mussten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärft und geborgen werden. [8]
  • Der Klosterhof in Pfrondorf (ehemals Blaihofstraße 2) brannte in der Bombennacht vom 15. auf den 16. April 1944 infolge eines Bombenangriffes ab. Außerdem wurden zehn Wohnhäuser und elf Scheuern in Brand gesetzt. Zehn Scheuern brannten nieder. Insgesamt wurden über 100 Gebäude beschädigt.[9]
  • Während des Zweiten Weltkriegs wurde Derendingen nur geringfügig zerstört und es gab keine Toten. Die evangelische St.-Gallus-Kirche wurde allerdings bei einem Luftangriff am 19. Oktober 1944 stark beschädigt. Am 19. Oktober 1944 zwischen 20.10 und 22.28 Uhr wurden eine Mine und vier Sprengbomben über Derendingen abgeworfen. Der Luftdruck deckte das Kirchendach ab und drückte die Fenster ein. Der Chor war mit Schutt und Glassplittern übersät. Wilfried Bacher schrieb in der 1981 zur damaligen Kirchenrenovierung erschienenen Festschrift: "Der Christusfigur im Chor wurden beide Hände abgeschlagen. Auch die Orgel wurde stark beschädigt, das Gehäuse aufgerissen und Pfeifen ausgehoben. Das Zifferblatt der Uhr und die Zeiger waren herabgestürzt und das motorisierte Geläute zerstört. Kurzum, die Kirche bot einen trostlosen Anblick".[10]
  • Im Gemeinde- und Staatswald des Schönbuchs kam es 1944 durch "Notabwürfe" von Bomben feindlicher Flugzeuge zu erheblichen Sachschäden insbesondere bei Breitenholz.[12]
Luftfoto der Bombenschäden der 531. und 532. Mission der US amerikanischen 320th Bomb Group
Tübingen in der Nachkriegszeit mit dem zerstörten Dach der ehemaligen NSKK Motorsportschule auf einer französischen Postkarte
  • Am 2. April 1945 führte die 320th Bombardment Group zwei Missionen durch, mit dem Ziel, die Kasernen und durch Brandbomben ein Versorgungsgebiet zu zerstören. Dabei wurden 27 Flugzeuge eingesetzt.[13] Dabei kam es zu erheblichen Zerstörungen.[14] [15]
  • Bei rund 550 Fliegeralarmen in Tübingen kam es 1945 nur zu 8 tatsächlichen Luftangriffen. 22 mal musste die Feuerwehr Überlandhilfe leisten.[17]
  • Der australische Bomberpilot Reginald Bain überlebte einen Flugzeugabsturz und besuchte 2003 Tübingen.[18]

Weblinks[Bearbeiten]

Tübingen im Luftkrieg. Tübinger Blätter, Tübingen, Nr.39 1952, Seite 41.

Quellen[Bearbeiten]