Eberhardsbrücke

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Koordinate
Die Eberhardsbrücke (2009)
Die Eberhardsbrücke (2009) mit von der Sonne angeleuchteten Betonbogen-Unterseite. Die Stiftskirche ist deutlich zu erkennen.
Blick von der Stiftskirche auf die Brücke (2009)
Blick von Westen über die Brücke zum Österberg (Frühjahr 2012)


Die Eberhardsbrücke, auch bekannt unter dem Namen Neckarbrücke, überspannt den Neckar am östlichen Ende der Platanenallee. Beide Bögen zusammen sind 81 m lang und 13,7 m breit[1]. Die Fahrbahn ist dreispurig. Die Bürgersteige sind wegen der vielen Fußgänger und der Bushaltestellen auf beiden Seiten extra breit (über 2,5 m).

Lage[Bearbeiten]

Die Karlstraße führt von Süden, die Mühlstraße von Norden auf diese Brücke. Am nördlichen Brückenende münden von der Altstadt her die Neckargasse und von Osten her die Gartenstraße ein. Hier stand auch das ehemalige Stadttor Neckartor. Am südlichen Brückenende zweigen die Wöhrdstraße in östlicher Richtung und die Uhlandstraße in westlicher Richtung ab.

Früher war sie die einzige Brücke über den Neckar innerhalb des Stadtgebietes, daher der umgangssprachliche Name Neckarbrücke. Über diese Brücke verlaufen die meisten Buslinien, und es gibt auf ihr auch die gut frequentierte Bushaltestelle Neckarbrücke. Vor dem Bau der Umgehungsstraßen und vor der Sperrung der Mühlstraße in einer Richtung für den Individualverkehr war sie die meist genutzte Brücke über den Neckar im Kreis Tübingen.

Auf der südlichen Brückenseite ist das Tagblatt-Eck und das Tourismus-Büro des Verkehrsvereins. Am nördlichen Ende liegen der Neckarmüller (große Wirtschaft mit Biergarten), der Kalender-Döner und im Eckhaus am Neckartor das Bellevue Restaurant-Café (zuvor Neckarmaier).

Weitere Innenstadt-Brücken über den Neckar sind die Alleenbrücke und die Neckarbrücke der Ammertalbahn. Am Uhland-Denkmal gibt es einen schmalen Steg für Indianer und andere Fußgänger über einen der beiden Flussarme auf die Neckarinsel. In der Nähe des Freibads führt eine weitere Fußgängerbrücke vom Uferweg zur Ernst-Bloch-Straße.

Name[Bearbeiten]

Der Name verweist auf Graf Eberhard im Bart, den Universitätsgründer, vielbesungenen Württemberger Grafen und späteren Herzog.

Geschichte[Bearbeiten]

Neckarüberschwemmung an der alten Brücke, 1872
Einweihung der neuen Eberhardsbrücke, 1901
Postkarte der Neckarbrücke von 1943. Links die Treppe, die auf die Platanenallee hinunter führt. Rechts im Erker war das Standbild des Universitätsgründers Graf Eberhard im Bart.
Das Uhland-Haus am rechten Ende der Brücke (neben der Mühlstraße) wurde 1944 durch eine Luftmine zerstört, ebenso das Eckhaus links (bis auf den Turm, der heute nur um ein Geschoss niedriger ist). Ganz rechts ist zum Teil noch die frühere Neckarmüllerei mit Fachwerk zu sehen.
Alte Künstler-Ansichtskarte von Eberhardsbrücke und Österberg (Bromsilber), Gebr. Metz


Es gab zwei verschiedene feste Brücken über den Neckar an dieser Stelle:

  • Eine erste Steinbrücke mit fünf Bögen wird 1482 (1485) bis 1489 mit einem Aufwand von 8000 fl erbaut. Der Schlussstein, am 29. September 1489 gesetzt, ist jetzt neben dem Ammereinfluss eingemauert.[2] Sie wurde 1899 abgerissen.
  • Nach den Plänen des Regierungsbaumeisters Karl von Leibbrand und Heinrich Halmhuber[3] wurde eine neue Brücke mit zwei Bögen und Bruchsteinverkleidung gebaut und am 27. Juli 1901[4] eröffnet.
  • Das Eberhard-Denkmal wurde erst zwei Jahre später fertiggestellt und am 19. Mai 1903 in Gegenwart des württembergischen Königspaares durch Staatsminister von Pischek feierlich enthüllt. [5]
  • 1942 wurde das bronzene Eberhard-Denkmal, wie so manche Glocke aus den Tübinger Kirchen, als damals übliche Spende für die Waffenproduktion unwiederbringlich eingeschmolzen. Ein Foto vom Abriss des Standbildes liegt im Stadtarchiv und wurde ca. 2005/2006 im Schwäbischen Tagblatt veröffentlicht. Bei einem Luftangriff am 15. März 1944 wurde das Steintürmchen, in dessen Erker die Statue vormals stand, stark beschädigt.
  • Die Brücke wurde beim Abzug der Wehrmacht vor den nahenden Allierten im April 1945 nur deshalb nicht gesprengt (der Sprengstoff war schon an seinem Platz), weil der beherzte Wirt des "Ochsens" die Sprengmannschaft mit einem schwäbischen Vesper im entscheidenden Augenblick ablenkte, bis die Franzosen in der Stadt waren. Zu diesem Zeitpunkt waren die Alleenbrücke, Lustnauer Neckarbrücke, die Neckarbrücke der Ammertalbahn und der Indianersteg schon zerstört. Es gab also nur noch diese eine Brücke über den Neckar für Fahrzeuge.[6]
  • 1950 wurde im Gemeinderat über einen Neubau einer Neckarbrücke verhandelt, da die alte Brücke zu schmal war. Nach längeren Diskussionen über die Notwendigkeit[7], wurde die alte Brücke 1951 verbreitert. [8]. Diese Verbreiterung ist an der auf dem westlichen Bürgersteig zu sehenden Längsdehnfuge auch von oben erkennbar. Der verbliebene Rest des Steintürmchens wurde komplett abgerissen. Gleichzeitig wurde auch die Brüstungsmauern aus behauenen Steinen abgetragen und durch ein Stahlgeländer ersetzt.
  • Im November 1993 wurde die Brücke saniert und erhielt eine Aussichtsplattform an der Stelle, wo bei der Vorgängerbrücke das Graf Eberhard-Denkmal stand.[9] Der ursprüngliche 1951 betonierte Treppenabgang zur Platanenallee wurde wegen Baufälligkeit durch eine Stahlkonstruktion ersetzt.
  • 2009 wurde eine komplette Erneuerung der Beläge erforderlich, wofür man nun angeblich haltbarere Materialien verwendete. - Der Belag wies aber bereits ab 2011 an den Dehnfugen in Fahrtrichtung Mühlstraße erhebliche Schäden auf, die „geflickt“ werden mussten.
  • 2015 wurde die Brücke wegen notwendigen Reparaturen am Fahrbahnbelag um und an Dehnfugen und Gullies im Sommer gesperrt.

Aktueller Blick[Bearbeiten]

Schau durch die Webcams auf dem Dach des Tagblatt-Gebäudes oder im Verkehrsverein auf die Brücke:

Wissenswertes[Bearbeiten]

  • Einer der ersten 12 Zebrastreifen in Tübingen wurde auf dem Südende der Brücke auf Höhe der heutigen Ampel beim Verkehrsverein im Juli 1955 angebracht [10].
  • Die Laternen sind im Sommerhalbjahr mit kräftig blühenden Blumenkörben in 3 Metern Höhe geschmückt.
  • In schneereichen kalten Wintern sammeln sich hier manchmal die Döbel unter der Brücke. Diese Fisch-Schwärme sind der Auslöser für folgende Gôgen-Witze:

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Gôgen-Witze im Umfeld der Brücke[Bearbeiten]

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Dichterwettstreit[Bearbeiten]

An Professor, an Schdudend ond a Gôg standet uf d'r Neckerbrück. D'r Professor geit a Gdicht vom Hölderlin zom beschta, ond dann sait d'r Student "So dichta ka i au". Der Schdudend sagd: "ich stehe auf der Neckarbrück und spuck den Fischen ins Genick", do sagt der Gog:" Des ko i besser: I stand uff ´d´r Neggrbrugg und steck d´r Fenger in d´r Arsch". Secht d´r Schdudend: "Das reimt sich doch gar nicht". Druff secht der Gog: "Aber dichta duads"[11]

Fische füttern[Bearbeiten]

Ein frühmorgens von einer Kneipe heimtorkelnder Student übergibt sich auf der Neckarbrücke. Ein Gôg, der gerade daherkommt, meint: "So isch's reacht, Herrle, no 's Arschloch gschont!"[12]

Besatzungssoldaten[Bearbeiten]

Ein französischer Besatzungssoldat, der in den Neckar gefallen war und nicht schwimmen kann, ruft: „au secours! au secours!“ Ein Student stürzt sich ins Wasser, um den Ertrinkenden zu retten, der Gôg aber beugt sich übers Brückengeländer und ruft „O Mändle, hetsch au gscheiter schwemma glernt, statt Franzesisch.“[13]


So sieht's der Vogel[Bearbeiten]


Bilder vom Brückenbau 1900-01[Bearbeiten]

Weitere historische Bilder[Bearbeiten]


Baudetails[Bearbeiten]


Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.karl-gotsch.de/Album/Neckar1.htm
  2. Tübinger Stadtchronik ab 1400
  3. Schwäbisches Tagblatt vom 12.08.2015 unter der Überschrift "Tübinger Brückengeschichte (3)"
  4. Tübinger Stadtchronik ab 1900
  5. Friedemann Schmoll: Verewigte Nation - Studien zur Erinnerungskultur von Reich und Einzelstaat im württembergischen Denkmalkult des 19. Jahrhunderts, Bamberg 1995, S. 343f
  6. Erinnerungen an Tübingen wie es einmal war (Wartberg Verlag, 2001, Seite 11)
  7. Tübingen - Historische Photographien einer Stadt (Wartberg Verlag 2001, Seite 11)
  8. www.karl-gotsch.de/Album/Neckar1.htm
  9. Tübinger Stadtchronik von 1993
  10. Tübinger Szenenwechsel 1950-1970 (Universitätsstadt Tübingen, Kulturamt, 2006, Seite 98)
  11. Dibenger Gogawitz auf der schwäbisch-alemannischen Wikipedia.
  12. Hans-Eugen Schramm: Tübinger Gogen-Witze. Knödler Verlag, Reutlingen.
  13. Gôgen-Witz auf der deutschen Wikipedia.